Zukunftsorientierte Regulierung des Fischbestandes im Ententeich (Masterplan Wels 2030)
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
die Fraktion UBV/DIE PARTEI beantragt, die zuständigen Ausschüsse empfehlen/beschließen, der Rat der Stadt Dinslaken möge beschließen, die Verwaltung wird beauftragt:
- die bisher praktizierte Elektrofischerei im Ententeich hinsichtlich Kosten, Nachhaltigkeit und CO₂-Bilanz kritisch zu evaluieren,
- ein ökologisch nachhaltiges Konzept zur biologischen Fischbestandsregulierung zu erarbeiten,
- hierbei insbesondere den kontrollierten Besatz eines Europäischen Welses (Silurus glanis) als kommunalen Spitzenprädator zu prüfen,
- ergänzend Maßnahmen zur Reduktion externer Nährstoffeinträge einzuleiten, insbesondere:
o verstärkte Hinweise gegen Entenfütterung,
o Gewässerbepflanzung,
o Sauerstoffmanagement,
o Entschlammung
o sowie ein Konzept gegen das wilde Aussetzen ehemaliger Aquarienbewohner („Findet Nemo – aber bitte nicht im Ententeich“), - dem Rat jährlich einen „Wels-Fortschrittsbericht“ vorzulegen
- und für den Fall des Scheiterns aller Maßnahmen vorsorglich die Genehmigungsfähigkeit eines Hai-Besatzes mit den zuständigen Fachbehörden abzuklären.
Begründung
Der Dinslakener Ententeich befindet sich seit Jahren in einem ökologischen Schwebezustand zwischen Naherholungsgebiet, Goldfisch-Großraum-WG und flüssigem Erbseneintopf.
Die Ursachen sind bekannt:
- ausgesetzte Zierfische,
- fehlende natürliche Räuber,
- massive Nährstoffeinträge
- und eine demografisch auffällige Hochleistungs-Entenfütterung.
Das Ergebnis ist ein Gewässer, dessen Wasserqualität gelegentlich eher an eine ambitionierte Matcha Latte erinnert.
Die Verwaltung reagiert bislang mit Elektrofischerei.
Diese Methode funktioniert technisch zweifellos hervorragend. Gleiches ließe sich allerdings vermutlich auch über den Einsatz eines mittelgroßen Minensuchboots sagen.
Das Problem: Elektrofischerei behandelt Symptome, nicht Ursachen. Und sie ist teuer.
Kaum sind die Fische entfernt, tauchen neue auf. Der Ententeich reproduziert inzwischen Goldfische mit der Zuverlässigkeit eines schlecht regulierten Start-up-Marktes.
Zahlreiche Städte und Gewässerprojekte setzen mittlerweile auf sogenannte Biomanipulation – also die gezielte Steuerung von Nahrungsketten durch natürliche Räuber.
Beispiele hierfür finden sich unter anderem:
- in Berliner Parkgewässern,
- bei Restaurierungsprojekten eutrophierter Seen in Niedersachsen,
- in niederländischen Flachgewässerprojekten
- sowie in wissenschaftlich begleiteten Maßnahmen in Dänemark und Polen.
Dort werden unter anderem:
- Hechte,
- Barsche,
- Zander
- oder Welse
gezielt eingesetzt, um überhöhte Friedfischbestände zu regulieren und Algenblüten einzudämmen.
Die Fraktion UBV/DIE PARTEI begrüßt ausdrücklich, dass Dinslaken endlich die Chance erhält, Anschluss an internationale Spitzenforschung im Bereich „kommunaler Raubfischpolitik“ zu finden.
Der Europäische Wels bietet hierbei erhebliche Vorteile:
- robust
- genügsam
- anpassungsfähig
- nachtaktiv
- einzelgängerisch
- dauerhaft hungrig
- haushaltsfreundlich
Kurzum: Der ideale Mitarbeiter für kommunale Problemgewässer.
Anderslautende Befürchtungen, Welse könnten Kleinhunde, Kleinkinder oder AfD-Wähler verschlingen, entbehren bislang jeder belastbaren wissenschaftlichen Grundlage.
Sollte der Wels wider Erwarten nicht ausreichen, sind weitergehende Maßnahmen zu prüfen.
Internationale Fachfilme wie:
- „Der weiße Hai“,
- „Sharknado“
- oder „Mega Shark vs. Giant Octopus“
zeigen eindrucksvoll das Potenzial großskaliger Prädatorenpolitik.
Die Fraktion weist allerdings darauf hin, dass ein Hai-Besatz:
- erhöhte Salzgehalte,
- eine Umbenennung in „Dinslaken Bay“
- sowie vermutlich zusätzliche Haushaltsmittel
erfordern würde.
Eine Umsetzung sollte daher zunächst auf Machbarkeit geprüft werden.
Der aktuelle Zustand des Ententeichs ist einer Stadt mit Porsche-Zentrum, Premium-Kreisverkehren, Top-10-Einkaufszentrum und regelmäßig neu gepflasterter Innenstadt nicht würdig.
Dinslaken braucht keine dauerhafte Elektrofischerei. Dinslaken braucht:
- Visionen,
- Mut,
- ökologische Innovation
- und mindestens einen sehr motivierten Wels.
Antrag „Neustrukturierung der Nahrungskette im Ententeich“ (August 2023)
