„Mehr Raum für Bildung statt Bildung im Raum“ – nachhaltige, vorausschauende und selbstverständlich völlig überraschende Erweiterung der GGS Klaraschule
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
die Fraktion UBV / Die PARTEI beantragt, die zuständigen Ausschüsse empfehlen/beschließen, der Rat der Stadt Dinslaken möge beschließen, die Verwaltung wird beauftragt:
- eine belastbare und für politische Entscheidungsträger*innen verständliche Kostenanalyse vorzulegen, aus der hervorgeht,
- was die Fortführung bzw. Erweiterung des Modulbaus an der Gemeinschaftsgrundschule Klaraschule kostet,
- was es kostet, wenn man nichts tut (inklusive zusätzlicher Schüler*innenbeförderung, Container-Dauerabos, pädagogischer Improvisationskunst und elterlicher Nervenverschleißpauschale).
- sämtliche realistisch erreichbaren Förderprogramme des Landes Nordrhein-Westfalen und des Bundes (insbesondere im Kontext des ab 2026 geltenden Rechtsanspruchs auf offenen Ganztag) zu identifizieren, zu beantragen und nicht aus Versehen zu übersehen.
- Die Verwaltung legt dem Rat ein Gesamtkonzept zur dauerhaften Sicherstellung einer mindestens dreizügigen Beschulung an der Klaraschule vor, einschließlich der hierfür notwendigen Raum-, Mensa-, OGS- und Schulhofflächen.
- Die Verwaltung legt eine aktualisierte, realitätsnahe Prognose der Schüler*innenzahl für die kommenden fünf Jahre vor – diesmal idealerweise orientiert an tatsächlichen Geburten, Baugebieten und Anmeldezahlen statt an meteorologischen Zufallsmodellen.
Begründung:
Die nicht überraschend eingetretene Überraschung
Seit Jahren ist bekannt, dass im Einzugsbereich der Klaraschule mehr Kinder wohnen als Klassenräume vorhanden sind. Diese Entwicklung war so überraschend wie Weihnachten im Dezember.
Bereits in den vergangenen Schulentwicklungsplanungen der Stadt Dinslaken wurde auf steigende Schüler*innenzahlen hingewiesen. Dennoch gelang es uns als Kommune, die Dynamik mit bewundernswerter Gelassenheit zu betrachten. Bildung braucht schließlich auch Geduld.
Ein erster Modulbau wurde errichtet – wofür wir uns selbst herzlich gratulieren. Allerdings ist dieser ungefähr so ausreichend wie ein Knirps bei einem Monsun.
Die Nachbarschulen sind leider auch keine Tardis
Die ebenfalls stark ausgelastete Gemeinschaftsgrundschule Lohberg sowie die Bruchschule Dinslaken verfügen bedauerlicherweise nicht über innenarchitektonische Raum-Zeit-Erweiterungstechnologie.
„Einfach verteilen“ funktioniert nur in Excel-Tabellen, nicht im real existierenden Schulalltag.
Busfahren ist kein pädagogisches Konzept
Sollte keine Erweiterung erfolgen, drohen zusätzliche Schülerverkehre. Das bedeutet:
- Mehr Kosten
- Mehr Organisation
- Mehr CO₂
- Mehr Diskussionen
- Weniger Wohnortnähe
- Weniger Freizeit
- Weniger Sozialleben
Und vor allem: eine kommunale Selbstverpflichtung zur kreativen Problemerzeugung.
Pflichtaufgabe statt nice to have
Die Sicherstellung wohnortnaher Grundschulplätze ist keine freiwillige Leistung wie ein Stadtfest mit Hüpfburg, sondern eine gesetzliche Pflichtaufgabe.
Trotz angespannter Haushaltslage muss gelten: Man kann an vielem sparen – aber nicht an Quadratmetern für Erstklässler.
Der Ganztag kommt. Wirklich.
Ab 2026 besteht in Nordrhein-Westfalen ein Rechtsanspruch auf offenen Ganztag. Dieser Anspruch entfaltet seine Wirkung unabhängig davon, ob Räume vorhanden sind.
Ganztag ohne Raum ist allerdings eher ein Stehkonzept.
Ein Erweiterungsbau kommt daher sowohl dem Unterricht als auch dem offenen Ganztag zugute – zwei Bereiche, die sich erfahrungsgemäß ungern stapeln lassen.
Prognosen und Realität – eine komplizierte Beziehung
Die tatsächlichen Anmeldezahlen übertrafen in den vergangenen Jahren regelmäßig die Planwerte. Eltern reagieren auf diese Differenz mit Verunsicherung, Verwaltung mit Tabellen und Politik mit Stirnrunzeln.
Es ist daher angezeigt, Prognosen künftig näher an die Wirklichkeit anzulehnen als an Wunschvorstellungen.
Fazit
Die Fraktion UBV / Die PARTEI stellt fest:
- Kinder entstehen weiterhin.
- Sie wohnen weiterhin in Dinslaken.
- Und sie benötigen weiterhin Klassenräume.
Wir schlagen daher vor, diese Phänomene nicht länger als Naturereignis zu behandeln, sondern als planbaren Bestandteil kommunaler Realität.
Mehr Raum für Bildung ist keine Vision – es ist eine Notwendigkeit!
Und falls es am Ende doch am Geld scheitert, bitten wir um eine transparente Darstellung der Kosten des Nichtstuns. Erfahrungsgemäß ist diese Variante langfristig die teuerste.
